Ja. Soweit dem Adhäsionsantrag stattgegeben wurde, kann der Angeklagte die Entscheidung mit dem sonst zulässigen Rechtsmittel auch isoliert vom strafrechtlichen Urteilsteil angreifen. Der Antragsteller hat nur in der engen Konstellation des § 406a Absatz 1 eine sofortige Beschwerde gegen einen frühen Absehensbeschluss.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Angeklagte kann den stattgebenden Adhäsionsteil selbständig anfechten.
- Rechtsmittelart richtet sich nach dem strafrechtlich sonst zulässigen Rechtsmittel.
- Der Antragsteller hat grundsätzlich kein Rechtsmittel gegen die Sachentscheidung.
- Fällt der tragende Schuldspruch weg, ist die Adhäsionsentscheidung aufzuheben.
Eigenständige Kontrolle des zivilrechtlichen Urteilsteils
§ 406a Absatz 2 StPO erlaubt dem Angeklagten, die stattgebende Entscheidung auch ohne den strafrechtlichen Teil mit dem sonst zulässigen Rechtsmittel anzufechten. Das Rechtsmittelgericht kann unter gesetzlichen Voraussetzungen im Beschlussweg entscheiden; bei Berufung findet auf Antrag eine mündliche Anhörung statt.
Der Antragsteller kann einen vor der Hauptverhandlung gestellten Antrag unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 mit sofortiger Beschwerde gegen den Absehensbeschluss verteidigen, solange keine den Rechtszug abschließende Entscheidung ergangen ist. Im Übrigen steht ihm kein Rechtsmittel zu. Nach Absatz 3 ist die Stattgabe aufzuheben, wenn der tragende Schuldspruch entfällt und auch keine Maßregel angeordnet wird.
Anfechtungsumfang und wirtschaftliches Ziel ausdrücklich bestimmen
Die Rechtsmittelerklärung sollte genau bestimmen, ob Schuld-, Straf- und Adhäsionsausspruch insgesamt oder nur einzelne Teile angegriffen werden. Bei Teilanfechtung werden Zahlungsbetrag, Zinsen, Feststellung, Kosten und vorläufige Vollstreckbarkeit gesondert geprüft.
Auch wenn der strafrechtliche Teil akzeptiert wird, können Fehler bei Anspruchsinhaberschaft, Kausalität, Schadenshöhe oder Bestimmtheit angegriffen werden. Umgekehrt sollte ein Rechtsmittel gegen den Schuldspruch ausdrücklich auf mögliche Auswirkungen des § 406a Absatz 3 eingehen.
- Jeden Adhäsionstenor wirtschaftlich bewerten.
- Rechtsmittelumfang ausdrücklich formulieren.
- Zivil- und strafrechtliche Rügen koordinieren.
- Vollstreckungsrisiko parallel prüfen.
Unklare Beschränkung kann unbeabsichtigte Rechtskraft auslösen
Eine ungewollt wirksame Beschränkung lässt nicht angegriffene Aussprüche rechtskräftig werden. Die wirtschaftliche Tragweite eines Feststellungs- oder Grundurteils kann den bezifferten Zahlungsbetrag erheblich übersteigen.
Allgemeine Information zum Rechtsstand 20. August 2026. Rechtsmittelart, Frist, Beschränkbarkeit und Entscheidungsform hängen von Ausgangsgericht und konkretem Urteil ab.
Häufige Folgefragen
Muss ich auch den Schuldspruch angreifen?
Nein. § 406a Absatz 2 erlaubt ausdrücklich die isolierte Anfechtung der stattgebenden Adhäsionsentscheidung.
Kann der Antragsteller gegen eine teilweise Abweisung Berufung einlegen?
Grundsätzlich steht ihm gegen die Sachentscheidung kein Rechtsmittel zu; nicht zuerkannte Teile kann er zivilrechtlich weiterverfolgen.
Was geschieht, wenn der Schuldspruch aufgehoben wird?
Unter den Voraussetzungen des § 406a Absatz 3 ist auch die darauf gestützte Adhäsionsentscheidung aufzuheben.
Amtliche Quellen
Nebenklage, Adhäsion und Privatklage aus Sicht des Beschuldigten
Wie reagiere ich auf Nebenklage, einen Adhäsionsantrag oder eine Privatklage?
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