Wenn Sie jetzt nur wenig Zeit haben
Suchen Sie in der folgenden Übersicht die Situation, in der Sie sich gerade befinden. Sie müssen das Buch nicht von vorn bis hinten lesen, bevor Sie handeln. Bei einer laufenden Maßnahme, einer Freiheitsentziehung oder einem möglicherweise baldigen Fristablauf sollte die Lektüre die rechtzeitige individuelle Hilfe unterstützen.
| Was ist passiert? | Was zunächst wichtig ist | Wo Sie weiterlesen |
|---|---|---|
| Die Polizei spricht Sie an oder lädt Sie vor. | Rolle und Absender klären. Als Beschuldigter müssen Sie nicht zum Vorwurf aussagen. Erscheinenspflichten gesondert prüfen. | Kapitel 2; Schweigerecht in Kapitel 6 |
| Ein Anhörungsbogen ist angekommen. | Schreiben vollständig sichern; Strafverfahren und andere Verfahrensarten unterscheiden; nicht vorschnell eine Schilderung eintragen. | Kapitel 2 und 7 |
| Ihre Wohnung oder Ihr Arbeitsplatz wird durchsucht. | Maßnahme nicht körperlich behindern; Beschluss und Umfang klären; Verteidigung kontaktieren; Mitnahme von Gegenständen dokumentieren lassen. | Kapitel 3; digitale Geräte in Kapitel 9 |
| Sie werden festgenommen. | Nach Grund und Rechtsgrundlage fragen; anwaltlichen Kontakt und gegebenenfalls medizinische Versorgung oder Sprachmittlung verlangen. | Kapitel 4; Untersuchungshaft in Kapitel 14 |
| Ein Angehöriger ist festgenommen worden. | Aufenthaltsort und zuständige Stelle ermitteln; Verteidigung vermitteln; Medikamente, Kinder und dringende Alltagsaufgaben klären. | Kapitel 4 und 21 |
| Eine Anklageschrift ist eingegangen. | Begleitschreiben, Zustellung und Äußerungsfrist prüfen; jetzt die Vorwürfe und möglichen Einwendungen vorbereiten. | Kapitel 5 und 12 |
| Sie haben eine gerichtliche Ladung erhalten. | Termin und Rolle prüfen; Ausbleiben nicht selbst für entschuldigt erklären. | Kapitel 5 und 12 |
| Ein Strafbefehl wurde zugestellt. | Zustellungsdatum und Umschlag sichern. Die Einspruchsfrist beträgt grundsätzlich zwei Wochen ab Zustellung; Form und konkreten Ablauf sofort prüfen. | Kapitel 5 und 13 |
| Ein Urteil ist gesprochen worden. | Über Rechtsmittel sofort beraten lassen; kurze Fristen können bereits mit der Verkündung beginnen. | Kapitel 15 |
Die Übersicht verkürzt bewusst auf den ersten Prüfpunkt. Die Voraussetzungen und Ausnahmen stehen in den genannten Kapiteln. Besonders beim Strafbefehl gilt: Nicht das Datum des späteren Lesens und nicht der Tag eines vereinbarten Beratungstermins bestimmen automatisch die Frist. Ein allgemeiner Wegweiser kann kein konkretes Zustellungsproblem lösen.[1.1]
Vier Dinge, die Sie auseinanderhalten sollten
Erstens: Eine Erklärung zum Tatvorwurf ist etwas anderes als eine Angabe zur Identität. Zweitens: Das Recht zu schweigen beantwortet nicht jede Frage danach, ob Sie zu einem Termin erscheinen müssen. Drittens: Eine freiwillige Zustimmung ist etwas anderes als das Dulden einer rechtmäßig angeordneten Maßnahme. Viertens: Eine Entscheidung über Ihre Verteidigungsstrategie ist etwas anderes als das rechtzeitige Sichern einer Frist oder eines vergänglichen Beweismittels.
Diese Unterschiede ziehen sich durch das Buch. Sie schützen vor Sätzen, die beruhigend klingen, aber zu weit reichen: „Bei der Polizei muss man gar nichts“, „Ohne meine Unterschrift zählt es nicht“ oder „Wenn ich unschuldig bin, brauche ich keine Verteidigung“. Ein Ratgeber hilft dann am meisten, wenn er die nächste sinnvolle Handlung erklärt und zugleich erkennen lässt, welche Fragen vom konkreten Fall abhängen.
Bewahren Sie Schriftstücke, Umschläge und vorhandene Unterlagen geordnet auf. Notieren Sie für sich, wann ein Dokument eingegangen ist und welche Termine oder Fristen darin stehen. Verändern oder löschen Sie keine möglichen Beweismittel. Stimmen Sie keine Aussagen mit anderen Beteiligten ab. Wenn Sie Informationen zur Entlastung kennen, halten Sie deren Herkunft und möglichen Verlust fest und besprechen Sie ihre rechtmäßige Sicherung. Kapitel 8 führt Sie durch diese Vorbereitung.
Für wen dieses Buch geschrieben ist
Vielleicht halten Sie den Vorwurf für vollständig falsch. Vielleicht erkennen Sie das Geschehen wieder, aber die rechtliche Bewertung erscheint Ihnen unzutreffend. Vielleicht wissen Sie, dass Sie etwas getan haben, und möchten Verantwortung übernehmen, ohne die weiteren Folgen zu übersehen. In jeder dieser Situationen haben Sie Rechte. Eine fachlich verantwortliche Verteidigung setzt nicht voraus, dass Sie behaupten, an allem unbeteiligt zu sein.
Das Verfahren muss klären, was sich nachweisen lässt, wie das Geschehen rechtlich einzuordnen ist und welche Entscheidung daraus folgen darf. Auch ein Geständnis beantwortet nicht von selbst jede Frage zu Beteiligung, innerer Haltung, Schuld oder den zulässigen rechtlichen Folgen. Zugleich kann eine Erklärung, eine Wiedergutmachung oder ein anderer konstruktiver Schritt sinnvoll sein. Welche Entscheidung zu Ihrem Fall passt, wird durch Information und Beratung besser vorbereitet als durch einen allgemeinen Vorrang von Härte oder Nachgiebigkeit.
Angehörige finden eigene Hinweise, weil ihre Fragen und Möglichkeiten anders sind. Sie dürfen unterstützen und Belastungen ernst nehmen. Sie übernehmen dadurch aber nicht automatisch die Verteidigung, erhalten nicht ohne Weiteres Akteneinsicht und entscheiden nicht anstelle eines erwachsenen Beschuldigten über dessen Aussage. Die besonderen Regeln für junge Menschen werden gesondert behandelt.
Zwei Wege durch das Buch
Die Kapitel 2 bis 5 geben Orientierung zu akuten Situationen. Danach behandeln die Kapitel 6 bis 9 die ersten Entscheidungen: Status, Schweigen, Akte, Informationen, Kontakte und digitale Geräte. Die Kapitel 10 bis 15 erklären den weiteren Verfahrensweg und seine möglichen Abzweigungen. In den Kapiteln 16 bis 21 geht es um die Organisation der Verteidigung, Kosten, Folgen und die Unterstützung durch Angehörige. Die Kapitel 22 bis 24 zeigen Unterschiede zwischen häufigen Vorwürfen.
Wenn die unmittelbare Lage geklärt ist, lohnt sich die zusammenhängende Lektüre. Sie hilft, eine neue Nachricht im Verfahren einzuordnen, ohne bei jedem Schreiben wieder ganz von vorn zu beginnen. Nutzen Sie dabei die Kapitelverweise: Ein Durchsuchungskapitel muss nicht alle Fragen zur späteren Beweisprüfung wiederholen, und ein Verkehrskapitel muss das Schweigerecht nicht neu erklären.
Im Anhang finden Sie kurze Checklisten, eine Unterlagenübersicht für das Erstgespräch sowie ein Glossar. Das Stichwortverzeichnis verweist auf Kapitel statt auf eine noch nicht festgelegte Verlagsseitenzahl. Es bleibt dadurch auch bei späteren Änderungen der Lesefassung benutzbar.
Rechtsstand und Beispiele
Der Redaktions- und Prüfstand dieser Fassung ist der 7. September 2026. Sie behandelt deutsches Recht. Länderrecht und besondere Verfahrenslagen, etwa im Untersuchungshaftvollzug, können zusätzliche Unterschiede begründen. Gesetze und Rechtsprechung entwickeln sich weiter. Quellen zu tragenden Aussagen finden Sie am jeweiligen Kapitelende; für das Verständnis des Haupttextes müssen Sie die Anmerkungen nicht mitlesen.
Alle als fiktiv bezeichneten Beispiele sind didaktisch gebildet. Sie sind keine Berichte aus Mandaten des Autors und erlauben keine Prognose für einen anderen Fall. Allgemeine Informationen können eine fehlende Ermittlungsakte nicht ersetzen. Sie sollen Ihnen helfen, rechtzeitig die richtigen Fragen zu stellen, Ihre Möglichkeiten zu verstehen und gemeinsam mit einer Verteidigung über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Anmerkungen zu Kapitel 1
[1.1] Strafbefehl: § 410 Abs. 1 StPO; Fristberechnung: § 43 StPO. Zur Berufung und Revision §§ 314, 341 StPO. Die konkrete Berechnung wird in Kapitel 13 beziehungsweise 15 behandelt. https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__410.html und https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__43.html. Geprüft am 07.09.2026. Zur Textstelle
