Für Jugendliche von 14 bis 17 Jahren gilt Jugendstrafrecht, sofern sie bei der Tat reif genug waren, das Unrecht einzusehen und danach zu handeln. Unter 14-Jährige sind strafunmündig. Bei 18- bis 20-Jährigen kann Jugendstrafrecht angewendet werden, wenn Reifeentwicklung oder Art der Tat die Voraussetzungen des § 105 JGG erfüllen.
Das Wichtigste in Kürze
- Unter 14 Jahren besteht keine strafrechtliche Verantwortlichkeit.
- Bei Jugendlichen prüft § 3 JGG die individuelle Verantwortungsreife.
- Bei Heranwachsenden ist Jugendstrafrecht nicht automatisch, aber gesetzlich ausdrücklich möglich.
- Erziehung, Persönlichkeit und Lebensumstände haben besonderes Gewicht; Diversion ist zentral.
Altersgruppen und anwendbares Recht
Jugendlicher ist nach § 1 JGG, wer bei der Tat 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist; Heranwachsender ist, wer 18, aber noch nicht 21 Jahre alt ist. Unter 14 Jahren ist ein Kind nach § 19 StGB schuldunfähig. Maßgeblich ist das Alter zur Tatzeit.
Ein Jugendlicher ist nach § 3 JGG nur verantwortlich, wenn er reif genug war, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Bei Heranwachsenden wird Jugendstrafrecht nach § 105 JGG angewendet, wenn die Gesamtentwicklung noch einem Jugendlichen entspricht oder es sich nach Art, Umständen oder Beweggründen um eine Jugendverfehlung handelt.
Reaktionen des Jugendgerichts
Das JGG stellt erzieherische Wirkung in den Mittelpunkt. Das Reaktionssystem umfasst Erziehungsmaßregeln wie Weisungen, Zuchtmittel wie Verwarnung, Auflagen oder Jugendarrest und als schwerste Sanktion Jugendstrafe. Jugendstrafe setzt schädliche Neigungen oder Schwere der Schuld nach § 17 JGG voraus.
§§ 45 und 47 JGG ermöglichen in geeigneten Fällen ein Absehen von Verfolgung oder eine Einstellung, häufig als Diversion bezeichnet. Geständnis, Wiedergutmachung oder pädagogische Maßnahmen können eine Rolle spielen, dürfen aber nicht ohne Blick auf Beweislage und Selbstbelastungsrisiken vorschnell eingesetzt werden.
- Eltern oder Vertrauenspersonen informieren, ohne Aussagen abzustimmen.
- Schule, Ausbildung, Betreuung und Entwicklungsstand geordnet dokumentieren.
- Kontakt zur Jugendgerichtshilfe sachlich vorbereiten.
- Auch als Minderjähriger vor Akteneinsicht nicht spontan zur Sache aussagen.
Besondere Verfahrensrechte
Jugendliche haben dieselben grundlegenden Beschuldigtenrechte, darunter Schweigerecht und Verteidigerzugang, ergänzt um jugendspezifische Schutzregeln. § 68 JGG erweitert die Fälle notwendiger Verteidigung. Die Jugendgerichtshilfe bringt persönliche und soziale Gesichtspunkte in das Verfahren ein.
Verhandlungen gegen Jugendliche sind grundsätzlich nicht öffentlich; bei Heranwachsenden gelten differenzierte Regeln. Diese Übersicht informiert allgemein zum Rechtsstand 7. August 2026 und ersetzt keine Prüfung von Reife, Tat und familiärer Situation.
Häufige Folgefragen
Gilt Jugendstrafrecht mit 18 automatisch weiter?
Nein. Bei 18- bis 20-Jährigen prüft das Gericht die Voraussetzungen des § 105 JGG. Je nach Reife und Art der Tat gilt Jugend- oder allgemeines Strafrecht.
Müssen Eltern bei der Polizei dabei sein?
Eltern beziehungsweise gesetzliche Vertreter haben besondere Informations- und Beteiligungsrechte, aber nicht jede Maßnahme wird allein durch ihre Abwesenheit unzulässig. Belehrung, Reife und konkrete Vernehmungssituation sind genau zu prüfen.
Kommt eine Jugendstrafe ins Führungszeugnis?
Das hängt von Höhe, Bewährung, weiteren Eintragungen und der Art des Führungszeugnisses ab. Das BZRG enthält besondere Regeln für Jugendstrafen; eine pauschale Antwort ist nicht möglich.
Amtliche Quellen
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