Ja. Konkrete Folgen einer Verurteilung für Beruf, wirtschaftliche Existenz, Familie oder Gesundheit können nach § 46 Absatz 1 Satz 2 StGB zu berücksichtigen sein. Nicht jede gewöhnliche Belastung mildert jedoch. Entscheidend ist, ob die Folgen im Einzelfall erheblich über das hinausgehen, was typischerweise mit einer Strafe verbunden ist, und zuverlässig belegt sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Erhebliche berufsrechtliche Folgen können bestimmend sein.
- Gewöhnliche Unannehmlichkeiten reichen regelmäßig nicht.
- Die Folgen müssen konkret, wahrscheinlich und belegt sein.
- Berufsverbot und außerstrafrechtlicher Berufsverlust sind zu trennen.
Strafe wirkt über das Urteil hinaus
§ 46 Absatz 1 Satz 2 StGB verlangt die Berücksichtigung der Wirkungen der Strafe auf das künftige Leben. Der BGH hat für einen Apotheker beanstandet, dass naheliegende berufsrechtliche Folgen nicht erörtert worden waren. Solche Folgen können neben einem gesondert geprüften Berufsverbot bestehen.
Auch gesundheitliche Belastungen, der Verlust einer wirtschaftlichen Grundlage oder außergewöhnliche Auswirkungen auf Unterhaltsberechtigte können bedeutsam sein. Maßgeblich bleibt aber die schuldangemessene Strafe; typische Folgen einer Verurteilung führen nicht schematisch zu einem Abschlag.
Konkrete Folgen früh und überprüfbar darstellen
Benötigt werden konkrete Unterlagen: berufsrechtliche Anhörungen, Arbeitgebererklärungen, Zulassungsregeln, ärztliche Befunde, Unterhaltsnachweise oder belastbare Geschäftskennzahlen. Vermutungen über eine mögliche Kündigung haben weniger Gewicht als ein bereits eingeleitetes Verfahren.
Die Verteidigung trennt unmittelbare Urteilsfolgen von bloßen Fernwirkungen und erläutert, weshalb gerade dieser Angeklagte besonders betroffen ist. Dabei dürfen personenbezogene Angaben nur in dem Umfang offengelegt werden, der für die Zumessung wirklich erforderlich ist.
- Nebenfolgen vollständig inventarisieren.
- Eintrittswahrscheinlichkeit amtlich oder sachlich belegen.
- Typische und außergewöhnliche Folgen trennen.
- Datenschutz und Folgeverfahren mitbedenken.
Keine automatische Doppelbegünstigung
Wer berufliche oder wirtschaftliche Folgen überzeichnet, gefährdet die Glaubhaftigkeit des gesamten Rechtsfolgenvortrags. Außerdem können offengelegte Tatsachen berufs- oder aufsichtsrechtlich eigenständige Bedeutung gewinnen.
Allgemeine Information zum Rechtsstand 22. August 2026. Ob eine Folge strafmildernd wirkt, entscheidet sich nach Eintrittswahrscheinlichkeit, Gewicht und Schuldumfang.
Häufige Folgefragen
Mildert der Verlust des Arbeitsplatzes immer?
Nein. Er kann erheblich sein, muss aber konkret drohen und im Verhältnis zu Tat und Schuld gewürdigt werden.
Ist ein Berufsverbot dasselbe wie der Verlust einer Zulassung?
Nein. § 70 StGB regelt ein strafgerichtliches Berufsverbot; berufsrechtliche Behörden können daneben eigene Entscheidungen treffen.
Zählen Belastungen der Familie?
Außergewöhnliche konkrete Folgen für Angehörige können berücksichtigt werden, führen aber nicht automatisch zu einer bestimmten Strafe.
Amtliche Quellen
Strafzumessung, Gesamtstrafe und Bewährung
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