Vor der Entscheidung über eine Reststrafenaussetzung hört das Gericht Staatsanwaltschaft, Verurteilten und Vollzugsanstalt; der Verurteilte ist grundsätzlich mündlich anzuhören. Ausnahmen bestehen nur in den gesetzlich bezeichneten Fällen. Die Anhörung dient einer aktuellen, persönlichen Prognose und ist keine erneute Verhandlung über die Schuld.
Das Wichtigste in Kürze
- § 454 StPO verlangt mehrere Stellungnahmen.
- Der Verurteilte wird grundsätzlich persönlich angehört.
- Gesetzliche Ausnahmen sind eng bezeichnet.
- Aktuelle Entwicklung und Entlassungsplan stehen im Mittelpunkt.
Beteiligte und gesetzliche Ausnahmen
§ 454 Absatz 1 StPO sieht eine Beschlussentscheidung ohne mündliche Verhandlung vor, verlangt aber die Anhörung von Staatsanwaltschaft, Verurteiltem und Vollzugsanstalt sowie grundsätzlich eine mündliche Anhörung des Verurteilten. Das Gesetz nennt Ausnahmen etwa bei befürworteter Aussetzung oder verfrühtem beziehungsweise unzulässigem Antrag.
Gegen die Entscheidung ist nach § 454 Absatz 3 die sofortige Beschwerde zulässig. Die persönliche Anhörung muss eine aktuelle Beurteilung ermöglichen; ändern sich wesentliche Tatsachen erst später, darf die Entscheidung nicht unbesehen auf einen überholten Eindruck gestützt werden.
Auf Prognosefragen ehrlich und konkret vorbereiten
Typische Themen sind Tatverständnis, bisheriger Vollzugsverlauf, Konflikte, Sucht oder Therapie, Wohn- und Arbeitsperspektive, Beziehungen, Auflagen und Umgang mit Risikosituationen. Widersprüche zu Akten und Gutachten sollten vorab erkannt und sachlich erklärt werden.
Eine überzeugende Vorbereitung bedeutet nicht, Antworten auswendig zu lernen. Tragfähig sind überprüfbare Pläne, die eigene Grenzen einbeziehen: Wer unterstützt, welche Termine stehen, wie werden Rückfallauslöser vermieden und was geschieht bei einer Krise?
- Urteil, Vollzugsbericht und mögliche Gutachten durcharbeiten.
- Entlassungsplan mit überprüfbaren Zusagen belegen.
- Kritische Vollzugsereignisse offen und entwickelt einordnen.
- Beschluss und Beschwerdefrist nach der Entscheidung prüfen.
Keine einstudierte Erfolgserzählung
Bagatellisierung, Schuldverschiebung oder nicht belegbare Zusagen können die Prognose belasten. Ebenso problematisch ist es, aus Angst pauschal allem zuzustimmen, ohne Bewährungsbedingungen praktisch erfüllen zu können.
Allgemeine Information zum Rechtsstand 15. August 2026. Inhalt und Gewicht einzelner Fragen hängen von Urteil, Vollzugsverlauf, Gutachten und Entlassungssituation ab.
Häufige Folgefragen
Ist die Anhörung eine Hauptverhandlung?
Nein. Das Gericht entscheidet ohne mündliche Verhandlung durch Beschluss; die persönliche Anhörung ist ein gesonderter Verfahrensschritt.
Kann die Anhörung entfallen?
Nur in den von § 454 Absatz 1 bezeichneten Konstellationen.
Darf mein Verteidiger teilnehmen?
Verteidigung kann das Verfahren begleiten; bei der mündlichen Anhörung eines Sachverständigen nennt § 454 Absatz 2 die Mitwirkungsmöglichkeit ausdrücklich.
Amtliche Quellen
Strafvollstreckung: Strafantritt, Geldstrafe und Entlassung
Welche Schritte sind nach einer rechtskräftigen Verurteilung wichtig?
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