Bei gesetzlich aufgezählten Delikten kann der Verletzte Privatklage erheben und die Anklagefunktion grundsätzlich selbst wahrnehmen. Das Gericht übersendet dem Beschuldigten die Klage und prüft später die Eröffnung. Schweigerecht, Beweisgrundsätze und Verteidigungsrechte gelten fort; zusätzlich sind Zulässigkeit, Sühneversuch, konkrete Tatumschreibung und mögliche Widerklage zu prüfen.
Das Wichtigste in Kürze
- Privatklage ist nur bei den abschließend aufgezählten Delikten zulässig.
- Der Privatkläger übernimmt wesentliche Anklagebefugnisse, nicht die Rolle eines neutralen Ermittlers.
- Das Gericht prüft Tatvorwurf und Eröffnung; die Beschuldigtenrechte bleiben bestehen.
- Zulässigkeit, Sühneversuch, Strafantrag und konkrete Tat müssen getrennt kontrolliert werden.
Privatklagedelikte und Rolle des Privatklägers
§ 374 StPO zählt die privatklagefähigen Delikte auf, darunter bestimmte Fälle von Hausfriedensbruch, Beleidigung, Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung und Sachbeschädigung. Eine vorgängige Anrufung der Staatsanwaltschaft ist für die Erhebung nicht zwingend; § 376 StPO regelt, wann die Staatsanwaltschaft bei öffentlichem Interesse selbst öffentliche Klage erhebt.
Für bestimmte Delikte setzt § 380 StPO vor Privatklage grundsätzlich einen erfolglosen Sühneversuch voraus. Nach § 382 StPO muss die Klage den Anforderungen an eine Anklageschrift entsprechen. Das Gericht teilt sie dem Beschuldigten mit und bestimmt eine Erklärungsfrist; danach folgen Eröffnungsprüfung und gegebenenfalls Hauptverhandlung.
Zustellung, Stellungnahme und Eröffnungsprüfung
Sichern Sie Klageschrift, Anlagen und gerichtliche Fristsetzung. Prüfen Sie, ob die behauptete Tat eindeutig nach Zeit, Ort, Handlung und Person bezeichnet ist, ob ein erforderlicher Strafantrag und Sühnenachweis vorliegen und ob der Vorwurf überhaupt zum Katalog gehört.
Eine Stellungnahme sollte erst nach Prüfung von Beweisen und möglichen Gegenansprüchen erfolgen. Bei wechselseitigen Vorwürfen kann eine Widerklage nach § 388 StPO in Betracht kommen; sie ist kein Automatismus und kann Konflikt, Beweisumfang und Kosten erhöhen.
- Klage und gerichtliche Frist vollständig sichern.
- Katalogtat, Strafantrag und Sühnenachweis prüfen.
- Tatumschreibung und Beweismittel kontrollieren.
- Stellungnahme und mögliche Widerklage strategisch abstimmen.
Verteidigung, Widerklage und Kostenrisiken
Private Konfliktgeschichte verleitet zu umfangreichen emotionalen Schriftsätzen. Für das Strafgericht zählen die konkret angeklagte Tat, zulässige Beweismittel und strafrechtliche Voraussetzungen. Direkte Kontaktversuche können neue Vorwürfe oder Beweisprobleme schaffen.
Dieser Beitrag informiert zum Rechtsstand 9. August 2026. Zulässigkeit, Fristen, Sühneerfordernis, Widerklage und Kosten müssen anhand der konkreten Privatklage und des Landesrechts geprüft werden.
Häufige Folgefragen
Ist die Staatsanwaltschaft gar nicht beteiligt?
Sie muss die Privatklage nicht führen, kann das Verfahren aber unter gesetzlichen Voraussetzungen übernehmen. Das Gericht bleibt für die Entscheidung zuständig.
Muss ich auf die Klageschrift antworten?
Das Gericht setzt regelmäßig eine Erklärungsfrist. Ob und wie Stellung genommen wird, sollte nach Akten- und Beweisprüfung entschieden werden; das Schweigerecht bleibt bestehen.
Kann ich Gegenklage erheben?
§ 388 StPO erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen eine Widerklage. Ob sie zulässig und sinnvoll ist, muss gesondert geprüft werden.
Amtliche Quellen
Nebenklage, Adhäsion und Privatklage aus Sicht des Beschuldigten
Wie reagiere ich auf Nebenklage, einen Adhäsionsantrag oder eine Privatklage?
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