Vergewaltigung ist in § 177 Absatz 6 als Regelbeispiel eines besonders schweren Falls ausgestaltet. Erfasst werden Beischlaf oder vergleichbare besonders erniedrigende sexuelle Handlungen, insbesondere solche mit Eindringen in den Körper. Zusätzlich muss ein Grundtatbestand des § 177 erfüllt sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Absatz 6 ersetzt nicht die Prüfung der Absätze 1, 2 oder 5.
- Eindringen in den Körper ist ein gesetzlich hervorgehobener Regelfall.
- Auch gemeinschaftliche Begehung ist ein Regelbeispiel.
- Der besonders schwere Fall verlangt eine Gesamtwürdigung.
Regelbeispiel mit erhöhtem Strafrahmen
§ 177 Absatz 6 sieht grundsätzlich eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren vor. Satz 2 Nummer 1 nennt Beischlaf sowie ähnliche besonders erniedrigende sexuelle Handlungen, insbesondere bei Eindringen in den Körper. Nummer 2 erfasst die gemeinschaftliche Begehung durch mehrere.
Als Regelbeispiel beschreibt Absatz 6 einen typischerweise besonders schweren Fall, nicht einen vollständig selbständigen Tatbestand. Zuerst muss eine Handlung nach Absatz 1, 2 oder 5 feststehen. Danach sind Art der sexuellen Handlung und alle für die Regelwirkung bedeutsamen Umstände zu würdigen.
Grundtatbestand und Sexualhandlung getrennt prüfen
Die Ermittlungsakte sollte nach Tatbeschreibung, zeitlicher Abfolge, Kommunikationsverlauf, medizinischen Befunden, DNA-Spuren und der Entwicklung aller Aussagen geordnet werden. DNA kann einen Kontakt belegen, beantwortet aber allein weder Zeitpunkt noch Freiwilligkeit.
Bei mehreren Beteiligten ist zu klären, wer welche Handlung vorgenommen oder gefördert haben soll. Bloße Anwesenheit ersetzt weder Mittäterschaft noch die Voraussetzungen gemeinschaftlicher Begehung.
- Vom Schlagwort zur konkreten Tatbeschreibung zurückgehen.
- Grundtatbestand und Regelbeispiel getrennt prüfen.
- Aussagen, Spuren und Befunde chronologisch ordnen.
- Keine Kontaktaufnahme oder Beeinflussung von Beweispersonen.
Begriff allein beweist den Tatvorwurf nicht
Eine vorschnelle Detailaussage kann mit später bekannt werdenden objektiven Daten kollidieren. Ebenso wäre es falsch, aus fehlenden Verletzungen generell auf Einvernehmen zu schließen oder aus vorhandenen Spuren ohne Kontext auf eine Straftat.
Allgemeine Information zum Rechtsstand 17. August 2026. Wegen des hohen Strafrahmens, möglicher Haftfragen und weitreichender Nebenfolgen ist frühzeitige spezialisierte Verteidigung besonders wichtig.
Häufige Folgefragen
Ist jedes Eindringen automatisch eine Vergewaltigung?
Es ist ein gesetzlich hervorgehobener Regelfall, setzt aber zusätzlich einen erfüllten Grundtatbestand des § 177 voraus.
Kann ein besonders schwerer Fall ausnahmsweise entfallen?
Regelbeispiele begründen eine Regelwirkung; ob ein atypischer Ausnahmefall vorliegt, verlangt eine Gesamtwürdigung.
Beweist DNA eine Vergewaltigung?
DNA kann einen körperlichen Kontakt stützen, beantwortet aber nicht automatisch Einvernehmen, Ablauf oder Zeitpunkt.
Amtliche Quellen
Sexualstrafrecht: Tatvorwürfe und Verteidigungsfragen
Was bedeutet der konkrete Sexualstrafvorwurf und welche Tatsachen müssen geprüft werden?
Alle 23 Ratgeber im Zusammenhang ansehen