§ 177 Absatz 5 StGB verschärft den Vorwurf, wenn der Täter gegenüber dem Opfer Gewalt anwendet, mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben droht oder eine Lage ausnutzt, in der das Opfer seiner Einwirkung schutzlos ausgeliefert ist. Das Nötigungsmittel, seine Wahrnehmung und der Zusammenhang mit der sexuellen Handlung müssen konkret bewiesen werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Gewalt erfordert einen körperlich wirkenden Zwang.
- Die qualifizierte Drohung betrifft gegenwärtige Gefahr für Leib oder Leben.
- Eine schutzlose Lage verlangt mehr als bloßes Alleinsein.
- Nötigungsmittel und sexuelle Handlung müssen miteinander verknüpft sein.
Qualifizierte Mittel des Absatzes 5
§ 177 Absatz 5 nennt drei Alternativen. Gewalt muss gegenüber dem Opfer angewendet werden. Die Drohung muss eine gegenwärtige Gefahr für Leib oder Leben ankündigen. Bei der schutzlosen Lage kommt es darauf an, ob die Schutz- und Verteidigungsmöglichkeiten so vermindert sind, dass das Opfer der Einwirkung des Täters ausgeliefert ist.
Die Mittel müssen die Vornahme oder Duldung der sexuellen Handlung ermöglichen oder erzwingen. Zeitlich entfernte Gewalt, ein allgemeines Angstgefühl oder ein Streit ohne Tatbezug erfüllen den qualifizierten Tatbestand nicht automatisch. Zugleich kann bereits begrenzter körperlicher Zwang je nach Situation rechtlich erheblich sein.
Kraft, Worte und Situation konkretisieren
Dokumentieren Sie Raum, Wege, anwesende Personen, zeitliche Abfolge und behauptete Worte möglichst genau. Verletzungsbilder, Fotos, medizinische Befunde und Nachrichten können den Vorwurf stützen oder seine konkrete Ausgestaltung in Frage stellen.
Eine Verteidigung muss zwischen dem Bestreiten des Kontakts, dem Bestreiten des Nötigungsmittels und der rechtlichen Bewertung trennen. Widersprüchliche Erklärungsansätze ohne Aktenkenntnis können die spätere Beweiswürdigung unnötig erschweren.
- Tatvorwurf nach Alternative des Absatzes 5 aufschlüsseln.
- Ort, Zeit und behauptete Nötigungsmittel sichern.
- Befunde und Nachrichten chronologisch abgleichen.
- Einlassungsentscheidung erst nach Akteneinsicht treffen.
Nicht jede konflikthafte Situation ist sexuelle Nötigung
Fehlende sichtbare Verletzungen schließen Gewalt nicht aus; umgekehrt beweisen Verletzungen ohne zeitliche und ursächliche Zuordnung nicht das behauptete Tatgeschehen. Auch Beziehungskonflikte ändern die gesetzlichen Voraussetzungen nicht.
Allgemeine Information zum Rechtsstand 17. August 2026. Die Abgrenzung zu den Absätzen 1 und 2 beeinflusst Strafrahmen und Verteidigungsbedarf erheblich.
Häufige Folgefragen
Muss es Verletzungen geben?
Nein. Gewalt kann auch ohne dokumentierte Verletzung vorliegen; Art und Wirkung des körperlichen Zwangs müssen aber festgestellt werden.
Ist Alleinsein schon eine schutzlose Lage?
Nicht automatisch. Entscheidend sind die konkreten Schutz- und Abwehrmöglichkeiten.
Reicht eine frühere Drohung?
Nur wenn sie im konkreten Tatgeschehen fortwirkt und den gesetzlichen Zusammenhang mit der sexuellen Handlung trägt.
Amtliche Quellen
Sexualstrafrecht: Tatvorwürfe und Verteidigungsfragen
Was bedeutet der konkrete Sexualstrafvorwurf und welche Tatsachen müssen geprüft werden?
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