Die Nebenklage darf ein Urteil nicht allein angreifen, um eine härtere Strafe oder andere Rechtsfolge zu erreichen. Ihr Rechtsmittel muss eine Gesetzesverletzung betreffen, die zum Anschluss berechtigt. Gegen bestimmte Nichteröffnungs- oder Einstellungsbeschlüsse besteht eine sofortige Beschwerde; andere Einstellungen sind für sie nicht anfechtbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Bloßes Ziel einer höheren Strafe ist unzulässig.
- Das Rechtsmittel muss einen nebenklagefähigen Schuldspruch betreffen.
- § 400 Absatz 2 nennt begrenzte Beschwerderechte.
- Rechtsmittelziel und Begründung müssen die zulässige Beschwer erkennen lassen.
Rechtsmittel nur im Schutzbereich der Nebenklage
§ 400 Absatz 1 StPO schließt eine Anfechtung aus, die lediglich eine andere Rechtsfolge der Tat oder eine Verurteilung wegen einer nicht anschlussfähigen Gesetzesverletzung anstrebt. Zulässig kann dagegen das Ziel sein, einen Freispruch oder eine Verurteilung nur wegen einer nicht nebenklagefähigen Norm durch einen nebenklagefähigen Schuldspruch zu ersetzen.
Absatz 2 gewährt sofortige Beschwerde gegen die Ablehnung der Eröffnung und Einstellungen nach §§ 206a, 206b, soweit die anschlussfähige Tat betroffen ist. Im Übrigen sind Einstellungsbeschlüsse für die Nebenklage unanfechtbar. § 401 erlaubt die Rechtsmitteleinlegung unabhängig von der Staatsanwaltschaft und enthält besondere Fristregeln.
Zulässigkeit und eigenes Rechtsmittel getrennt verteidigen
Nach Eingang eines Nebenklagerechtsmittels prüft die Verteidigung zuerst Zulassung, betroffene Tat, Rechtsmittelziel und konkrete Beschwer. Eine nur allgemein verlangte strengere Bestrafung genügt den Grenzen des § 400 nicht.
Parallel sind eigene Rechtsmittelfristen des Angeklagten unabhängig zu kontrollieren. Ein unzulässiges Rechtsmittel der Nebenklage verlängert oder ersetzt nicht automatisch die erforderliche eigene Anfechtung strafrechtlicher oder adhäsionsrechtlicher Teile des Urteils.
- Anschlussbefugnis und Urteilstenor abgleichen.
- Rechtsmittelziel aus Antrag und Begründung bestimmen.
- Eigene Fristen unabhängig sichern.
- Unzulässigkeit und Begründetheit getrennt erwidern.
Nicht jede Verschärfungsforderung eröffnet eine neue Instanz
Die Nebenklage kann ein zulässiges Rechtsmittel auch dann führen, wenn die Staatsanwaltschaft nicht anficht. Umgekehrt ist eine umfangreiche Begründung nicht schon deshalb zulässig, weil sie zusätzlich Verfahrensfehler nennt; entscheidend bleibt ein erlaubtes Rechtsmittelziel.
Allgemeine Information zum Rechtsstand 20. August 2026. Zulässigkeit hängt von Tenor, zugelassener Tat, Rechtsmittelantrag und Begründung im konkreten Verfahren ab.
Häufige Folgefragen
Kann die Nebenklage nur wegen einer zu niedrigen Strafe Revision einlegen?
Nein. § 400 Absatz 1 schließt ein Rechtsmittel aus, das lediglich eine andere Rechtsfolge erreichen soll.
Kann sie einen Freispruch angreifen?
Ja, wenn sie eine Verurteilung wegen einer Gesetzesverletzung erstrebt, die ihre Anschlussbefugnis trägt, und die weiteren Rechtsmittelvoraussetzungen erfüllt sind.
Muss die Staatsanwaltschaft ebenfalls Rechtsmittel einlegen?
Nein. Nach § 401 kann die Nebenklage ihre zulässigen Rechtsmittel unabhängig von der Staatsanwaltschaft nutzen.
Amtliche Quellen
Nebenklage, Adhäsion und Privatklage aus Sicht des Beschuldigten
Wie reagiere ich auf Nebenklage, einen Adhäsionsantrag oder eine Privatklage?
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