Anknüpfungstatsachen werden dem Sachverständigen als Ausgangsbasis vorgegeben. Befundtatsachen erhebt er kraft besonderer Sachkunde und kann sie regelmäßig im Gutachten erläutern. Zusatztatsachen erfährt er nur beiläufig ohne spezielle Fachkunde; ihre Einführung folgt grundsätzlich den Regeln des jeweiligen Beweismittels und darf nicht durch das Gutachten abgekürzt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Anknüpfungstatsachen bilden die vorgegebene Tatsachengrundlage.
- Befundtatsachen entstehen durch fachkundige Untersuchung.
- Zusatztatsachen sind keine automatische sachverständige Erkenntnis.
- Fehler in der Ausgangsbasis können die Schlussfolgerung entwerten.
Die Tatsachenart bestimmt Beweisweg und Aussagekraft
§ 80 StPO sieht vor, dass der Sachverständige bei unzureichender Tatsachengrundlage weitere Aufklärung beantragt. Er darf die richterliche Tatsachenfeststellung nicht ersetzen. Fachlich erhobene Befunde können Teil seiner eigenen sachverständigen Wahrnehmung sein.
Angaben, die der Sachverständige ohne besondere Sachkunde nur wie jeder andere hört oder sieht, werden nicht allein durch Aufnahme in das Gutachten zum vollwertigen Sachverständigenbeweis. Für sie gelten Unmittelbarkeit, Vernehmungs- und Verwertungsregeln eigenständig.
Jede tragende Annahme ihrer Quelle und Beweisform zuordnen
Die Verteidigung markiert im Gutachten jede tragende Tatsache und ordnet sie zu: Aktenvorgabe, eigene Messung, Explorationsangabe, Drittmitteilung oder Schlussfolgerung. Dann wird geprüft, ob Quelle, Beweisweg und Unsicherheit offen ausgewiesen sind.
Besonders wichtig sind alternative Anknüpfungstatsachen. Ändert sich etwa Tatzeit, Konsummenge, Vergleichsprobe oder Krankheitsverlauf, muss der Gutachter erklären, ob und wie sich sein Ergebnis verändert.
- Tragende Tatsachen im Gutachten markieren.
- Quelle und Beweisform zuordnen.
- Alternative Annahmen durchrechnen lassen.
- Ungeklärte Zusatztatsachen separat beweisen.
Ein Gutachten darf streitige Tatsachen nicht unbemerkt festschreiben
Eine scheinbar präzise Schlussfolgerung kann auf einer bestrittenen Ausgangstatsache beruhen. Umgekehrt sollte eine fachgerecht erhobene Befundtatsache nicht ohne sachlichen Grund mit einer bloßen Erzählung gleichgesetzt werden.
Allgemeine Information zum Rechtsstand 31. August 2026. Die Einordnung ist fach- und fallabhängig und kann für Verwertbarkeit, Fragerecht und Urteilsbegründung entscheidend sein.
Häufige Folgefragen
Was ist eine Anknüpfungstatsache?
Eine vom Auftraggeber oder aus dem Verfahren vorgegebene Tatsache, auf der die fachliche Bewertung aufbaut.
Darf der Gutachter eigene Befunde erheben?
Ja, soweit dies zu seinem Fachauftrag gehört und fachgerecht dokumentiert wird.
Sind alle Angaben in einer Exploration Befundtatsachen?
Nein. Inhaltliche Tatsachenangaben können bloße Zusatztatsachen sein; ihre Beweisverwendung ist gesondert zu prüfen.
Amtliche Quellen
Sachverständigenbeweis im Strafverfahren
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