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Ablauf des Strafverfahrens

Verlesung des Anklagesatzes: Warum beginnt die Hauptverhandlung damit?

Welche Informations- und Umgrenzungsfunktion der Anklagesatz hat, wer ihn verliest und warum Abweichungen von zugelassener Anklage und Eröffnungsbeschluss wichtig sind.

Kurzantwort

Nach der Personenvernehmung wird der Anklagesatz verlesen. Er bezeichnet den zugelassenen Prozessstoff und informiert Angeklagten sowie Öffentlichkeit über den konkreten Vorwurf. Grundlage ist die vom Gericht zugelassene Anklage; danach wird der Angeklagte über seine Aussagefreiheit belehrt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Anklagesatz grenzt den Gegenstand der Hauptverhandlung ab.
  • Maßgeblich ist die Anklage in der durch den Eröffnungsbeschluss zugelassenen Form.
  • Die Verlesung steht vor Belehrung und möglicher Sacheinlassung.
  • Weitere Taten brauchen grundsätzlich eine Nachtragsanklage, nicht nur eine beiläufige Ergänzung.

Informations- und Umgrenzungsfunktion

§ 243 Absatz 3 StPO ordnet nach der Vernehmung zur Person die Verlesung des Anklagesatzes an. Wurde die Anklage im Eröffnungsbeschluss verändert zugelassen, ist diese Fassung maßgeblich.

Der Anklagesatz muss Tat, Zeit, Ort und wesentliche gesetzliche Merkmale so bezeichnen, dass der Prozessgegenstand erkennbar ist. Eine andere rechtliche Bewertung kann über § 265 StPO behandelt werden; eine weitere prozessuale Tat erfordert grundsätzlich § 266 StPO.

Reihenfolge und richtige Fassung

Die Verteidigung sollte verlesenen Wortlaut mit Anklageschrift und Eröffnungsbeschluss vergleichen. Bei mehreren Taten oder Änderungen muss eindeutig sein, welche Fassung verhandelt wird.

Wird die Verlesung ausgelassen, verkürzt oder aus einer falschen Fassung vorgenommen, sollte der Fehler sofort beanstandet und die korrekte Verlesung verlangt werden. Der Vorgang gehört ins Protokoll.

  • Anklage und Eröffnungsbeschluss nebeneinander prüfen.
  • Verlesene Fassung und Reihenfolge dokumentieren.
  • Abweichungen sofort konkret beanstanden.
  • Bei neuem Prozessstoff § 265 oder § 266 StPO abgrenzen.

Abweichungen und Verteidigungsreaktion

Eine unklare Anklage erschwert gezielte Verteidigung und kann die Wirksamkeit der Anklage betreffen. Nicht jede sprachliche Abweichung ist jedoch erheblich; entscheidend sind Prozessstoff und Informationsgehalt.

Allgemeine Information zum Rechtsstand 11. August 2026. Wirksamkeit und Verlesungsfehler müssen anhand von Anklage, Eröffnungsbeschluss und Protokoll geprüft werden.

Häufige Folgefragen

Wird die ganze Anklageschrift vorgelesen?

Verlesen wird der Anklagesatz, also der Teil, der den konkreten Vorwurf und die gesetzlichen Merkmale bezeichnet.

Was gilt bei geändertem Eröffnungsbeschluss?

Maßgeblich ist die Anklage in der vom Gericht zugelassenen Form.

Darf ich danach schweigen?

Ja. Nach der Verlesung werden Sie über Ihr Recht belehrt, auszusagen oder zur Sache zu schweigen.

Amtliche Quellen

  1. 01§ 243 StPO - Gang der HauptverhandlungAmtliche Quelle ↗
  2. 02§ 207 StPO - Inhalt des EröffnungsbeschlussesAmtliche Quelle ↗
  3. 03§ 265 StPO - Rechtlicher HinweisAmtliche Quelle ↗
  4. 04§ 266 StPO - NachtragsanklageAmtliche Quelle ↗
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